Goodbye Stasibook

Letztes Jahr hatte ich das große Glück Jacob Appelbaum zu treffen. Er war zufällig in meiner Stadt um das TOR Projekt an der TU München vorzustellen. Eine Frage, die er an die Zuhörenden stellte, hatte sich mir eingeprägt: Wer hier ist bei Facebook, oder „Stasibook“, wie er es nannte.

Der Begriff passt leider. Wer Kunde bei Facebook ist, der schreibt seine Stasi Akte praktisch selbst. Inklusive Beziehungen und Interessen. Später fiel mir dann noch etwas auf, gerade als das PEGIDA Thema überall hochkochte. Das Aussortieren von Menschen. In den Anfangszeiten des Internet gab es Diskussionsgruppen, Usenet, Foren. Dort konnte und kann man sich pseudoanonym bewegen. Das alles ist auch heute noch aktiv, allerdings bietet Facebook viele der Funktionen so, das sich Menschen nicht mehr mit Alternativen auseinandersetzen. In manchen Ländern sind sich Menschen anscheinend nicht einmal darüber im klaren das sie Dinge ins Internet stellen, für sie ist Facebook eine separate Einheit.

Was ich außerdem beobachten konnte, ist das Bilden von singulären Meinungsgruppen. So gab es eine Kampagne die Freundesliste „aufzuräumen“, etwa unter Menschen die bei Pegida auf „Like“ gedrückt haben. Ein hervorragender Trolljob gegen die gerichtet, die nicht verstanden haben was der „Like“ Button bei Facebook bedeutet. Erstaunlich ist, das man mit Freunden von Angesicht zu Angesicht auch kontrovers diskutieren kann, bei Facebook führt eine nicht genehme Meinung schnell zum „De-Friending“. Das führt mit der Zeit wohl zum Effekt das man nur noch mit Menschen „befreundet“ ist, deren Meinung man ist oder denen egal ist was man so alles auf der Timeline postet.

Ich finde das sehr merkwürdig, da ich Gedanken und Anregungen, auch wenn ich anderer Meinung bin, von Rechten, Linken, Veganern, Fleischessern durchaus für mich selbst einschätzen und bewerten kann. Ohne im Gegenüber sofort ein verachtenswertes Wesen zu erkennen zu glauben.
Im positiven Gegensatz dazu sieht man übrigens, wie Google das bei Google+ gelöst hat. Dort entscheiden das Individuum, welche Personen und Themen in die privat gehaltenen Kreise aufgenommen wird. Für andere unsichtbar.

Vielleicht hat das Ganze aber auch einen langfristigen positiven Effekt: Für immer mehr Benutzer könnte Facebook so nervig werden, das sie einfach ihre Accounts löschen. Was ich inzwischen auch getan habe, genau wie Xing und Linked In. Es ergibt sich einfach null Mehrwert aus diesen Webseiten.

Positive Nebeneffekte: Mehr Zeit und mehr persönliche Freiheit.