Können Flüchtlinge den Fachkräftemangel beheben?

Politiker haben meistens keine Ahnung von Wirtschaft und gleichzeitig keinen Weitblick. Mag sich harsch lesen, aber: Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeiten als Nokia als DAS Vorzeigeunternehmen dargestellt wurde. Deutschland ging es zu dieser Zeit wirtschaftlich nicht besonders. Auf einmal galt Finnland und damit Nokia als Vorbild. Wie ein Mantra wurde „Nokia“ zu einem Kampfbegriff für eine neue Wirtschaft, dahin muss sich Deutschland entwickeln! Nun, 2007 kam das iPhone und damit begann das Ende von Nokia.

In einer Studie der Bundesagentur vom Juli 2015 heist es:

„Aktuell zeigt sich nach der Analyse der Bundesagentur für Arbeit kein flächendeckender Fachkräftemangel in Deutschland.“

Allerdings gibt es doch eine gewisse Unterversorgung in bestimmten Berufen. Siehe Seite 6 der Studie. Passen da nun Flüchtlinge auf diese Unterversorgung? Zuerst müsste es natürlich erst einmal Sprachkenntnisse geben. Deutsch ist eine relativ schwere Sprache. In den meisten Berufen sind perfekte Deutschkenntnisse eine Grundvoraussetzung. Nun wissen wir das 70% der erwachsenen Flüchtlinge weder Berufsausbildung noch Hochschulabschluss haben.

Plünnecke: Ein Teil wird als Helfer arbeiten können. Auf die Schnelle kann aber nur ein kleiner Teil als Fachkraft eine Arbeit finden. Mindestens 70 Prozent der erwachsenen Flüchtlinge aus Kriegsländern haben weder Berufsausbildung noch Hochschulabschluss. Das heißt zwar umgekehrt, dass 30 Prozent den Einstieg als Fachkraft schaffen können. Die anderen aber brauchen Berufsvorbereitung, Praktika, Ausbildung. Das wird dauern.

Wir benötigen große Investitionen in Berufen, die erst einmal Kosten produzieren. Lehrer, Sozialarbeiter, Polizisten. Alle diese Gehälter müssen von der arbeitenden Bevölkerung erwirtschaftet werden. Plus die Sozial- und Transferleistungen.

Könnte man gering Qualifizierte nicht etwa in der Güterproduktion einsetzen? Nein, denn die Automatisierung ist in Deutschland bereits sehr weit voran geschritten. In manchen Fällen wird die Zahl der Arbeiter allerdings künstlich oben gehalten. Zum Vergleich Volkswagen, Toyota und GM.

VolkswagenToyotaGM
Mitarbeiter592.586338.875207.000
Produzierte Fahrzeuge9,73 Millionen9,98 Millionen9,71 Millionen

Wie sieht es weltweit aus? Ich bin fest überzeugt das wir eine gewaltige, weltweite Arbeitslosenkrise bekommen werden. Jeder produzierende Konzern versucht die Produktion möglichst zu automatisieren. Nehmen wir einmal Apple. Der Umsatzbringer ist das iPhone, das zum größten Teil bei Foxconn per Hand zusammengebaut wird. Der Zusammenbau des iPhone soll nach Schätzungen nur $4.50 betragen. Die Löhne in China steigen allerdings. So pervers es sich anhören mag: Das wird langsam zu teuer. Deswegen plant Foxconn schon seit geraumer Zeit die Menschen durch Roboter zu ersetzen.

Einen Ausblick auf das Kommende zeigt dieser Bericht aus einer Fabrik in China. Vor dem Einsatz der Automatisierung waren 650 Menschen beschäftigt, jetzt nur noch 60. Die Zahl soll auf 20 fallen. Die Produktion ist außerdem extrem gesteigert worden, während die Zahl der defekten Produkte massiv gesunken ist.

Dieser Trend wird sich fortsetzen. Die Frage ist, wird China das kompensieren können? Oder wird von China eine weitere Flüchtlingswelle kommen? Ich sehe das als Möglichkeit. Durch die verrückte Ein-Kind-Politik in China und den Wunsch einen „Statthalter“ zu bekommen gibt es jetzt einen Überschuss von 33 Millionen Männern in China. Ich sehe die Möglichkeit von Revolutionen oder eine Wanderungsbewegung.

Fazit: Nein, ich denke Flüchtlinge werden auf keinen Fall den Fachkräftemangel lösen können. Ich sehe einfach nicht, in welchen Bereichen sie die vorhandenen Löcher stopfen können. Nicht zu vergessen die massive Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Und die jungen Europäer könnten und dürften ganz legal versuchen in Deutschland eine Arbeit zu finden.
Statistik: Europäische Union: Jugendarbeitslosenquoten in den Mitgliedsstaaten im August 2015 | Statista
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