Der Münchner Merkur wurde von Journalistendarstellern übernommen

Ich kann mich noch an meine Schulzeit erinnern, als es darum ging die Arbeit der Presse zu verstehen und zu bewerten. Was ich aus diesen Stunden mitgenommen habe, ist ein fundamentaler Punkt, den Presse erfüllen muss, um als solche wahrgenommen zu werden.

Objektivität.

Es gibt eine ganz klare Trennung zwischen Kommentaren und Nachrichten. Zu dieser Zeit hatten meine Eltern die «tz» in München abonniert. Als diese «zu blöd» wurde, wurde das Abo auf den «Münchner Merkur» umgestellt. Zu dieser Zeit war der Merkur noch eine Bürgerliche Zeitung, die mehr oder weniger berichtete, was war. Seit einigen Jahren fällt mir allerdings auf, dass sich die Zeitung gewaltig gewandelt hat. Ein Beispiel gibt die Journalistendarstellerin Anne Hund, die anscheinend denkt, der Merkur sei eine Veröffentlichungsplattform für Pressemitteilungen der SPD und Grünen.

So «berichtet» die Dame von «besorgten Bürgern» des Bezirksauschusses Haidhausen, dass sich vermutlich, genaues weis man nicht, die AfD und Alfa eventuell um die Anmietung von Räumlichkeiten bemüht hatten oder bemühen könnten. Nicht fehlen darf der Hinweis, dass die Haidhauser Unionsbräu eins von Juden gegründet wurde, die dann vor den Nazis fliehen mussten. Was das nun mit den erwähnten Parteien zu tun hat, hat die tapfere Frau Hund anscheinend nicht kritisch nachgefragt oder recherchiert. Der Bezirksausschuss würde gerne das Kommunalreferat (Eigentümer) und die GWG (Vermieter der Räume) darauf verpflichten, allen Gruppen Zugang und Anmietung zu verweigern, die politische Konkurrenten der SPD und Grünen sind. Das lese ich zumindest aus dieser Berichterstattung heraus. Ein Skandal, dass eine demokratische Partei gehindert werden soll, ihr Programm vorzustellen. Gab es dazu kritische Nachfragen von Frau Hund? Im Artikel ist dazu nichts zu finden.

Der Wirt der Lokalität kroch auch sogleich (ob auf allen vieren ist nicht bekannt) zu Kreuze und versprach, sofort mit dem Bezirksausschuss zu sprechen. Auch versprach er selbstverständlich vorauseilenden Gehorsam, hatte er doch bei einer Anfrage der AfD sofort beim Vermieter GWG angefragt, was er denn zu tun hätte. Obwohl im Besitz eines imposanten Doppelkinns und einer massiven Statur, genau das Gegenteil eines «gestandenen Wirtes» und Unternehmers. Ob der Wirt Igor Divjak ein Rückgrat besitzt, ist mir nicht bekannt. Auf einem Bild steht er aufrecht, so erfüllt es zumindest diese Funktion.

Zum Ende des «Artikel» berichtet die Journalistendarstellerin Anne Hund dann noch einmal die komplette Entstehungsgeschichte des Haidhausener Unionsbräu. Was diese nun mit der AfD zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Auch gibt Frau Hund keinerlei Hinweise, wo hier der Bezug ist oder wo die Verbindung zu Anmietungen der AfD sein könnte.

Ich kann nur vermuten das eine Anmietung der Grünen für eine Veranstaltung mit Claudia Roth, Motto «Deutschland verrecke» ohne Probleme möglich wäre. Auch würde es wohl keine Probleme für eine Veranstaltung mit Volker Beck geben, selbstverständlich ohne Crystal Meth. Wollte man es auf die Spitze treiben, könnte man auch Joschka Fischer auf die Bühne holen, wobei dieser dann Steine auf Polizisten wirft (selbstverständlich nur als Aktionskunst).

Bestimmt wäre auch eine Veranstaltung mit der SPD kein Problem, oben würde Sigmar Gabriel stehen und das unten stehende steuerzahlende Volk als Pack beschimpfen. Neben ihm Ralf Stegner, der eine Lesung seiner bekanntesten Mitteilungen auf Twitter durchführen könnte. Stegners Sabber und Schaum vor dem Mund könnte von den Cuckservativen der Münchner CSU weggewischt werden.

Ob der Verleger Dirk Ippen weis, was aus der einst stolzen Zeitung geworden ist? Die Spirale aus Auflage und Qualität bewegt sich abwärts. Es muss gespart werden, also spart man sich echte Journalisten und stellt vermehrt junge, günstige Darsteller ein, die so tun, als ob sie Journalisten seien. Ich empfehle meinen Eltern schon seit Jahren das Abo zu kündigen, leider scheint die Macht der Gewohnheit zu stark zu sein. Und in irgendetwas muss man schließlich die Küchenabfälle einwickeln.